Finale Int. Deutsche Enduro Meisterschaft 2020 Woltersdorf, 31. Oktober/1. November 2020

Hamish Macdonald

Kiwi gewinnt erste Schlamm-Challenge

Wie bei den vorangegangenen Läufen der Kompakt-Saison 2020 der Int. Deutschen Enduro Meisterschaft war auch am ersten von zwei Fahrtagen in und um Rüdersdorf der Neuseeländer Hamish Macdonald das Maß der Dinge. Der Enduro-Youth-Weltmeister des Jahres 2019 verwies am Samstag den 14-fachen Deutschen Meister Dennis Schröter aus Crinitz sowie Luca Fischeder aus Geringswalde auf die Plätze. Seinen lediglich imaginären Heimvorteil konnte der Rüdersdorfer Robert Riedel nur bedingt nutzen. In der kleinsten Hubraum-Kategorie E1 belegte er nach zuletzt drei Klassensiegen „nur“ den zweiten Platz, konnte aber auch mit diesem seine Tabellenführung ausbauen.

Allen Corona-bedingt ungünstigen Voraussetzungen und Begleitumständen zum Trotz zog der MC Woltersdorf e. V. im ADMV seinen nun schon „42. Novemberpokal“ durch und erntete dafür viel Lob von allen direkt und indirekt Beteiligten. Pünktlich 8:00 Uhr begann im Museumspark Rüdersdorf die für die Schnellsten knapp siebenstündige Geländefahrt inklusive sieben Wertungsprüfungen. Bei den ersten beiden Zeitenjagden brannte der Überraschungsmann des Jahres, Luca Fischeder, die schnellsten Runden ins vom Regen aufgeweichte naturbelassene Geläuf. Neben dem Extrem-Test war auch die zweite Prüfung, der Enduro-Test, zuschauerfreundlich am Kesselsee errichtet, doch wegen Corona waren eigentlich keine Zuschauer erlaubt. Dennoch und trotz des am Morgen ungemütlichen Wetters beobachteten einige Passanten das Treiben der Stollenritter und sahen, wie sich im weiteren Verlauf des Tages Hamish Macdonald alle weiteren Bestzeiten holte und so zum Tagessieg fuhr. Logischerweise hatte er damit auch seine Klasse E2 gewonnen.

Hamish

„Das war, im Gegensatz zu den ersten Saisonrennen, viel mehr Enduro mit zwei wirklich schönen Tests. Ich bin natürlich glücklich, heute wieder gewonnen zu haben. Heute früh habe ich mich vielleicht etwas zu sehr hängen gelassen, aber danach bin ich echt gut gefahren und war mit mir und dem Ergebnis zufrieden“, sagte der 21 – jährige „Kiwi“ anschließend.

Gesamtzweiter wurde erneut Dennis Schröter. Der Südbrandenburger befindet sich auf seiner Abschiedstournee vom aktiven Motorsport und durfte sich neben dem Silberrang im klassenübergreifenden Championat über einen weiteren Sieg in der größten Hubraum-Kategorie E3 freuen.

Dennis Schröter

„Eigentlich wollte ich Hamish in diesem Jahr wenigstens noch einmal schlagen, aber das waren heute definitiv seine Bedingungen und für mich ist das eigentlich gar nichts. Es bildeten sich schnell tiefe Rillen, in denen man quasi gefangen war und darin rum bolzt. Dennoch hat mein Tag gut angefangen, doch hinten raus hat mir auch ein bisschen die Kraft gefehlt. Die zwei Prüfungen hatten WM-Niveau. Es war sau schwer, aber es hat trotzdem Spaß gemacht“, lautete die Einschätzung des Routiniers.

Verdammt glücklich und stolz hätte auch der Dritte der Gesamtwertung und hinter seinem Teamkollegen Hamish Macdonald E2-Zweiter Luca Fischer sein können. War er wahrscheinlich auch, doch fiel sein Fazit gewohnt introvertiert nüchtern aus. Er sagte:

Luca Fischeder

„Der Tag hat super angefangen. Ich war von vornherein heiß auf die Veranstaltung. Endlich einmal ein richtiges Enduro. Die Tests lagen mir sehr gut. Leider habe ich in der dritten Runde im Extrem-Test einen gröberen Fehler gemacht, wodurch ich auf einen Schlag rund 35 Sekunden auf die Spitze verloren habe. Dadurch war ich ein bisschen angenascht und habe die letzten beiden Test nur noch versucht, nicht noch einmal zu stürzen, easy zu Ende zu fahren und meinen Platz zu behalten.“

Gesamtvierter wurde Edward „Eddi“ Hübner aus dem ebenfalls sächsischen Penig, der damit als E2-Dritter das entsprechende Klassen-Podest komplettierte. Dahinter folgten Chris Gundermann aus Straufhain in Thüringen und Björn Feldt aus Roduchelstorf im Landkreis Nordwestvorpommern, wo im September in Rehna der DEM-Auftakt stattgefunden hatte. Diese beiden fuhren ebenfalls E3-Motorräder und wurden demzufolge zur leider schnörkellosen Klassensiegerehrung gerufen.

So auch der Lokalmatador Robert Riedel. Der Rüdersdorfer musste sich diesmal als Gesamtzwölfter mit Rang zwei hinter dem Schweizer Jonathan Rossé in der kleinsten Hubraumklasse E1 zufrieden geben, liegt aber in Sachen erstem (Klassen- )Meistertitel weiter voll auf Kurs. Er sagte anschließend:

Robert Riedel

„So etwas bin ich noch nicht gefahren. Das war wahrscheinlich noch über WM-Niveau. Die Prüfungen waren zwar denen vom WM-Lauf 2018 hier ziemlich ähnlich, aber der Regen hat sein Übriges dazu getan. Das war aber für alle gleich, von daher soll das keine Ausrede sein. Allerdings hatte ich in jeder Runde ein paar kleine Fehler und habe dabei Zeit verloren. Aber egal, wichtig ist, dass ich morgen das Ding nach Hause fahre.“

Christoph Lessing

Einen schönen Erfolg feierte ein weiterer Lokalmatador. Der Berliner Christoph Lessing ist quasi mit dem gastgebenden MC Woltersdorf verheiratet und mit seinen 40 Lenzen sicherlich nicht mehr als Zukunftstalent zu betrachten. Das hielt den als Inhaber der Firma KTM GST Berlin lediglich Hobby-Rennfahrer aber nicht davon ab, wieder nach Herzenslust Gas zu geben. Und das mit mehr als nur einem Achtungserfolg. Im B-Championat, quasi der zweiten Liga des deutschen Endurosports, belegte er in der ebenfalls alle (B-)Klassen überspannenden OverallWertung unter 61 Startern den hervorragenden dritten Platz und gewann dabei sogar die Klasse E3B.

Heute stand für die Schlamm- und Strapazen-Fetischisten noch einmal das gleiche Programm an.

Text und Fotos: Thorsten Horn
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