2018 Foxborough Supercross

Bleibt sicher an der Spitze - Jason Anderson © GuyB

 

250 East

 

Man könnte fast sagen, das Rennen wäre langweilig gewesen. Für Zack Osborne war allerdings Weihnachten, letzte Woche hat er sich noch endlich einen Holeshot mal gewünscht auf der Pressekonferenz und so bekam er diese Woche endlich einen der absolut seltenen Holeshots seiner Karriere und danach kontrollierte er ab da die Pace des Feldes von vorne bis zur Ziellinie.

Jordon Smith mimt den unauffälligen Verfolger auf seiner KTM mit guten Rundenzeit, bis ins Ziel nie weit entfernt und doch ohne jede Chance auf einen Angriff, immer wenn er richtig pushte machte er einen Fehler und so versuchte er einfach möglichst konstant schnell zu fahren auf dem schwierigen Track.

Dahinter Sean Cantrell für das komplett europäisch geprägte Motorradmarken-Podium auf seiner KTM, zumindest bis zur Mitte des Rennens, bis sich Kyle Peters auf seiner Yohsimura-Suzuki dann den jungen Fahrer mit der Nummer 43 schnappte.

Tja und dahinter, dahinter war vom Start weg bis kurz vor Schluss die Reihenfolge der Top5  auch in Stein gemeißelt. Platz 4 Sean Cantrell vor J. Osby auf Platz 5. Letztere  mussten allerdings ihre Plätze dann doch noch abgeben. Denn …

Die ganze Dramatik und das, was Motocross einzigartig macht passierte dahinter. Das Drama um Jeremy Martin begann in Runde 1 als er sich versprang und neben der Strecke landete. Beim Aufheben vom Bike brauchte er unglaublich lange, man konnte quasi die Körnchen in der Sanduhr donnern hören. Er kriegte erst keinen richtigen Hebel zum Hochwuchten des Bikes hin, sprang von rechts nach links probierte es nochmal und derweil gingen die Meisterschaftspünktchen gedanklich durch die Tür und verabschiedeten sich beim Umdrehen mit einem Winken und einer Träne im Auge. Nach einer gefühlten Ewigkeit schaffte er es endlich das Bike hochzuheben und ab ging die Post.

Selbst Runde 2 beendete der Hondafahrer noch als absolut Letzter, doch mit einem unglaublichen Speed. Er fackelte nirgends lange rum und rollte das Feld von hinten auf. Seine beste Rundenzeit im Rennen eine halbe Sekunde schneller als die von Osborne und jeglichem Fahrer im Feld!

Einen kurzen Schreckensmoment gab es allerdings für den Fahrer mit der Nummer 6 auf dem Numberplate noch, als  Moisman direkt vor ihm im Waschbrett aus dem Rhythmus kam und dessen Hinterrad quer schlug hätte er fast noch Martin mitgenommen, weil dieser so nah dran war.

Kurze Notbremsung um den gestürzten  Moisman nicht zu überfahren und weiter pflügte Jeremy “J-Mart” durchs Feld um in der vorletzten Runde dann schon fast Podestluft zu schnüffeln. Dafür reichte es aber am Ende dann doch nicht und so beendete er die Aufholjagd, die sich das Publikum mitfiebernder Weise sicher gerne noch länger angeschaut hätte auf Rang 4. Für uns einer der sehenswertesten Aufholjagden überhaupt und das in einem sonst doch eher langweiligen Rennen.

 

450 SX

 

Neben schwierigeren Streckenverhältnissen wartete das Event in Foxborough auch mit dem ungewohnten Tageslicht auf.

Den Rennabend im Mainevent begann mit dem Holeshot von Christian Craig gefolgt von Vince Friese und dann schon den wichtigsten “Schwergewichten” im Kampf um die Meisterschaft, Musquin, Tomac und Anderson.

Friese wurde gleich in den ersten Kurven “geschnupft” und nach hinten weiter gereicht, während Craig sich noch in Runde 1 versprang und neben der Strecke landete, somit war alles für einen richtigen Showdown gegeben.

Jason Anderson wusste allerdings um seine Position als Meisterschaftsführender mit genug Abstand und so merkte man ihm schon früh an, dass es ihm heute eher um die Punkte geht. Er fühlte sich auch nicht ganz so wohl mit der Strecke und er fuhr ab Rennmitte einfach deutlicher auf Sicherheit. Man sagt ihm nach, Jason Anderson holte das Dungey-Playbook aus der Schublade, was momentan in seiner Situation auch wirklich schlau ist.

An der Spitze vorne fuhr Marvin lange Zeit fast fehlerfrei sein Rennen, hatte aber immer Eli Tomac im Nacken sitzen. Tomac war zu keinem Zeitpunkt mehr wie maximal unterhalb von 2 Sekunden hinter Musquin und lauerte nur auf einen Fehler.  Im letzten Renndrittel blies der Kawasakifahrer dann nochmal zum Angriff und setzte den Franzosen ordentlich unter Druck. Marvin machte dann einen Fehler und Tomac konnte so im Waschbrett vorbei gehen, in dem der Kawafahrer einfach sauschnell unterwegs war.

Und dann kam die Aktion, die die Nacht definieren sollte. Musquin, der nicht wirklich gefährlich nah am Hinterrad von Tomac war, ließ beim Sprung in die Kurve stehen und rauscht in Tomac rein. Der Franzose wird später sagen, Tomac hat seine Linie geändert in der Kurve und das hätte er nicht erwartet. Aber das hört sich eher nach einer Ausrede an für einen wirklich verzweifelten Move muss man sagen. Für einen normalen Blockpass oder ein faires Überholmanöver war er einfach nicht in Schlagdistanz.

Tomac geht daraufhin down, sein Bike wird im Hinterrad von Musquin noch ein bisschen malträtiert bevor dieser auf Platz 1 unbehellicht weiter fahren kann. Gasgriff fast kaputt, Griff weg dachte Tomac schon das wäre jetzt sein Renn-Aus. Er konnte sich aber dann doch noch schnell genug aufrappeln und durch den 30 Sekunden Vorsprung der beiden auf Anderson, den zweiten Platz ins Ziel retten.

Nach der Ziellinie bekam der Franzose auch von den Fans ,die den spannenden Kampf der letzten Runden um den Sieg genossen, gezeigt was sie von dessen entscheidendem Überholmanöver hielten. Die Fans buhten den Franzosen großteils aus und Applaus war wirklich kaum zu hören.

Auf der Pressekonferenz:

Eli war irgendwie gar nicht begeistert (er guckte ziemlich angepisst) und schon bei der Pressekonferenz rückte Marvin den Stuhl erstmal von ihm weg in kuschelige Reichweite zu Anderson. Irgendwann kam dann natürlich die Frage auf, was beide zu der Aktion zu sagen hätten. Tomac selbst kein Kind von Traurigkeit in der Vergangenheit, bei dem ein oder anderen Anlass (Las Vegas 2017 z.B.) warf zurecht ein, dass es Aktionen gäbe, die mehr Konsequenzen bedurften als den für einen Werksfahrer lächerlichen Betrag von 5000 Dollar Strafe.

Prinzipiell hat Eli Tomac damit meiner persönlichen Meinung (des Autors) nach absolut recht. Supercross ist ein Sport und solche Takeout-Moves (oder auch Überholmanöver bei denen vorher klar war, dass jetzt einer down geht) haben da nichts zu suchen. Die Verletzungsgefahr ist einfach zu hoch und wenn man Fahrern den Sieg und Punkte wegnehmen kann, wenn sie eine Flagge missachten, dann doch bitte auch, wenn sie von anderen Fahrern Leib und Leben durch Überholaktionen riskieren, die jenseits von Gut und Böse sind.

Musquin rechtfertigte sich aus seiner Sicht dann doch eher komisch mit Aussagen, wie er wurde ja auch schon so aus dem Rennen genommen, von anderen Fahrern in der Vergangenheit und blablabla…

Nach seiner Rechtfertigung war dann erstmal Stille…Stille…. und noch mehr Stille in der Pressekonferenz. Wirklich eine komische Situation, wenn eine Minute lang niemand was sagt.

Nun gut, dass ausgerechnet Jason Anderson nicht noch etwas dazu beimerken wollte, war ja eigentlich klar, denn er ist ja auch eher berüchtigt für seine harten Überholmanöver kurz vor der Zielflagge, die definitiv auch mal über die Stränge schlagen.

Verbleibt der Eindruck, dass dieses Kapitel ein Auftakt zu einem neuen Verhältnis zwischen Musquin und Tomac ist. To be continued …

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