Vom dritten Platz 2025 ganz nach oben: Das 123MX Racing Team holt sich beim Saisonfinale in Wildeshausen den Gesamtsieg in der Teamwertung des VFM Niedersachsen-Cups 2026. Vor dem letzten Rennwochenende führte noch das Crown MX Team. Teamchef Mario Müller, zugleich Vater des neuen MX2-125-Meisters Mio Müller, spricht im Interview über die Saison, über drei Einzeltitel und darüber, warum die Teamwertung für ihn nie das Ziel war. Die Anfänge des Teams haben wir 2023 begleitet. MOTOCROSS-MAGAZIN LOKAL!
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„Wir wollten keine Teammeisterschaft gewinnen, wir wollten unsere Fahrer besser machen!“
MOTOCROSS MAGAZIN: Mario, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch! 2025 noch Platz drei und jetzt Teammeister im VFM Niedersachsen-Cup. Wie fühlt sich dieser Erfolg an?
Mario Müller: Vielen Dank! Natürlich ist das eine tolle Geschichte. Wenn man bedenkt, dass wir 2025 bereits Dritter geworden sind und nun tatsächlich ganz oben stehen, können wir schon stolz auf unsere Fahrer sein.
Aber ich muss auch ganz klar sagen: Wir sind nicht mit dem Ziel in die Saison gegangen, unbedingt die Teammeisterschaft zu gewinnen. Das war überhaupt nicht unser Ansatz.
Für mich stand und steht jeder einzelne Fahrer mit seiner persönlichen Entwicklung im Vordergrund. Wir wollen junge Fahrer unterstützen, ihnen Möglichkeiten bieten und sie dabei begleiten, sportlich besser zu werden. Dass daraus am Ende ein Meistertitel für das gesamte Team entsteht, ist natürlich eine fantastische Bestätigung.

MOTOCROSS MAGAZIN: Vor dem Finale in Wildeshausen lag das Crown MX Team noch auf dem ersten Platz. Hattet ihr die Meisterschaft überhaupt noch auf dem Schirm?
Mario Müller: Natürlich schaut man gelegentlich auf die Tabellen. Aber ganz ehrlich: Die Teamwertung hat unsere Entscheidungen während der Saison nicht bestimmt.
Das Crown MX Team war mit starken Fahrern besetzt und lag vor Wildeshausen noch in Führung. Wir hatten also keineswegs die Meisterschaft sicher.
Für mich war viel wichtiger, dass unsere Fahrer beim letzten Rennen noch einmal ihre bestmögliche Leistung abrufen.
Und genau das haben sie gemacht. Am Ende standen 25.099 Punkte für uns und 23.987 Punkte für Crown auf dem Papier.
Ich glaube, genau das macht diesen Titel so besonders. Wir haben ihn nicht erzwungen, sondern unsere Fahrer haben ihn sich durch ihre individuellen Leistungen gemeinsam erarbeitet.
Drei Einzelmeister: Schülerklassen, Jugend und MX2-125
MOTOCROSS MAGAZIN: Schauen wir auf die einzelnen Klassen. Mit drei Einzelmeistern habt ihr eine beeindruckende Bilanz. Beginnen wir bei den Jüngsten.
Mario Müller: Ja, besonders die Schülerklassen haben uns unglaublich viel Freude gemacht.
In der Schülerklasse A hat Mika Skrotzki eine richtig starke Saison hingelegt. Er gewinnt mit 221 Punkten die Meisterschaft und holt beim Finale in Wildeshausen noch einmal beide Laufsiege. Das zeigt, welche Konstanz und Qualität er über das Jahr entwickelt hat.
Aber auch Emil Siedler dürfen wir nicht vergessen. Emil beendet die Saison auf einem starken vierten Gesamtrang. Er hat über das Jahr immer wieder wichtige Punkte gesammelt und gezeigt, dass er sich in dieser Klasse behaupten kann.

In der Schülerklasse B hatten wir mit Moritz Wahlers einen weiteren Meister. Moritz hat eine außergewöhnliche Saison gefahren: 240 Punkte und acht Laufsiege bei zehn Wertungsläufen. Das ist schon eine Hausnummer!
Dazu kommt Max Luca Skrotzki, der sich den dritten Gesamtrang sichern konnte. Auch er hat eine sehr konstante Saison abgeliefert.
Und dann haben wir noch Tom Goltz. Tom war nicht bei allen Veranstaltungen am Start, hat aber bei seinen Einsätzen starke Ergebnisse erzielt und in Wildeshausen noch einmal ordentlich Punkte mitgenommen.
Genau diese unterschiedlichen Leistungen machen für mich ein Team aus. Nicht jeder muss Meister werden, um für uns eine erfolgreiche Saison gefahren zu sein.

MOTOCROSS MAGAZIN: Auch in der Jugendklasse war 123MX vertreten. Wie bewertest du die Saison von Nando Wundrach?
Mario Müller: Nando hat mit Platz vier in der Gesamtwertung der Jugendklasse ebenfalls ein richtig gutes Ergebnis erreicht.
Er hat bei allen zehn Wertungsläufen Punkte gesammelt. Das darf man gerade im Nachwuchsbereich nicht unterschätzen.
Wir dürfen nicht immer nur auf die ersten drei Plätze schauen. Gerade im Motocross muss man lernen, Rennen durchzufahren, Fehler zu verarbeiten und sich von Veranstaltung zu Veranstaltung weiterzuentwickeln.
Nando hat gezeigt, dass er in einer anspruchsvollen Klasse konstant unterwegs sein kann. Solche Leistungen gehören genauso gewürdigt wie ein Meistertitel.
MOTOCROSS MAGAZIN: Kommen wir zur MX2-125. Hier ist mit deinem Sohn Mio Müller ebenfalls ein Fahrer des 123MX Racing Teams Meister geworden. Ist das für dich als Vater noch einmal etwas Besonderes?
Mario Müller: Selbstverständlich! Da muss man auch nicht drum herumreden. Ich bin sein Vater, sein Unterstützer und gleichzeitig Teamchef. Da schaut man natürlich noch einmal mit anderen Augen hin.
Mio ist erst Ende 2025 von der 85er auf die 125er umgestiegen. Uns war klar, dass 2026 vor allem ein Lernjahr werden würde.
Die 125er ist körperlich und fahrtechnisch eine ganz andere Herausforderung. Dazu kommt, dass er sich teilweise gegen deutlich erfahrenere Fahrer behaupten muss.
Was mich besonders freut, ist seine Entwicklung im Laufe der Saison. Er hat wirklich viel investiert, trainiert und an sich gearbeitet.
Dass er am Ende mit 225 Punkten die MX2-125-Meisterschaft gewinnt und die letzten fünf Wertungsläufe für sich entscheidet, ist natürlich ein tolles Ergebnis.
Aber ich sage ihm auch immer: Ein Titel ist schön, nur ausruhen darf man sich darauf nicht. Im Motocross wird einem nichts geschenkt.

MOTOCROSS MAGAZIN: Mit Marlon Wundrach hattet ihr einen zweiten Fahrer in der MX2-125 am Start.
Mario Müller: Genau. Marlon beendet die Saison auf Platz sechs der Gesamtwertung und hat ebenfalls seinen Anteil an unserem Teamerfolg.
Gerade bei den 125ern ist es wichtig, nicht ausschließlich auf Platzierungen zu schauen. Die Klasse verlangt den jungen Fahrern körperlich und technisch einiges ab.
Es geht darum, Erfahrungen zu sammeln, schneller zu werden, mehr Sicherheit auf dem Motorrad zu bekommen und sich Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.
Und genau dafür wollen wir mit dem 123MX Racing Team ein Umfeld schaffen.
Kein Factory-Team: Was 123MX seinen Fahrern bietet
MOTOCROSS MAGAZIN: Du sprichst immer wieder von individueller Förderung. Was unterscheidet euer Team von einem klassischen Racing-Team?
Mario Müller: Ich glaube, wir müssen zunächst einmal realistisch bleiben. Wir sind kein Factory-Team und wollen uns auch nicht als eines darstellen.
123MX kommt aus dem Motocross-Sport, wir betreiben einen eigenen Shop und eine Werkstatt und kennen die Herausforderungen, vor denen junge Fahrer und ihre Familien stehen.
Motocross ist ein unglaublich schöner, aber auch teurer und zeitintensiver Sport.
Wir versuchen deshalb, unsere Fahrer dort zu unterstützen, wo wir es können. Dazu gehören beispielsweise attraktive Konditionen bei Ersatzteilen, Bekleidung und Ausrüstung, technische Unterstützung sowie Möglichkeiten, gemeinsam zu trainieren und voneinander zu lernen.
Mir ist aber eines besonders wichtig: Wir können den Fahrern Möglichkeiten bieten, aber wir können ihnen die Arbeit nicht abnehmen.
Der Fahrer muss selbst bereit sein, Zeit und Energie zu investieren. Wer langfristig erfolgreich sein möchte, muss häufig mehr machen als andere. Das betrifft das Training auf dem Motorrad genauso wie die körperliche Fitness und die eigene Einstellung.

MOTOCROSS MAGAZIN: Viele Nachwuchsfahrer träumen von einer Karriere bis hin zur Motocross-Weltmeisterschaft. Wie realistisch ist dieser Traum aus deiner Sicht?
Mario Müller: Ich finde, jedes Kind darf und soll große Träume haben. Für viele ist es das Größte, irgendwann einmal bei einem Grand Prix am Start zu stehen.

Aber wir müssen auch ehrlich über die Realität sprechen.
Der Weg in die internationale Spitze ist extrem teuer. Wer nicht über außergewöhnliches Talent verfügt und dadurch die Unterstützung eines professionellen Teams erhält, braucht in vielen Fällen erhebliche finanzielle Mittel durch die Familie oder Sponsoren.
Da sprechen wir bei einer europäischen Grand-Prix-Saison schnell über Budgets von mehreren Zehntausend Euro. Je nach Umfang können auch 60.000 Euro oder mehr notwendig werden.
Das zeigt, wie wichtig finanzielle Voraussetzungen neben Talent, Trainingsfleiß und Leistung im heutigen Motocross geworden sind.
Natürlich darf Geld niemals der einzige Maßstab sein. Aber es wäre genauso falsch, jungen Fahrern und ihren Eltern zu erzählen, dass Talent allein ausreicht.
Unser Ziel bei 123MX ist deshalb nicht, jedem Fahrer eine Weltmeisterschaftskarriere zu versprechen. Wir wollen Möglichkeiten schaffen, damit jeder Einzelne auf seinem persönlichen Leistungsniveau weiterkommt.

Rückblick und Ausblick auf 2027
MOTOCROSS MAGAZIN: Wenn du auf die Saison 2026 zurückblickst, worauf bist du am meisten stolz?
Mario Müller: Auf die Entwicklung der Fahrer. Ganz klar.
Wir haben drei Einzelmeister in unseren Reihen, mehrere Fahrer auf vorderen Meisterschaftsplätzen und jetzt zusätzlich den Mannschaftstitel in der Teamwertung.
Das sind natürlich schöne Zahlen.
Aber hinter diesen Zahlen stehen Kinder, Jugendliche, Eltern und Familien, die über Monate hinweg viel Zeit, Energie und Geld in diesen Sport investiert haben.
Da werden Motorräder vorbereitet, Trainings organisiert, unzählige Kilometer gefahren und Wochenenden an Rennstrecken verbracht.
All das gehört dazu.
Ich freue mich deshalb nicht nur über den Fahrer, der ganz oben auf dem Podest steht. Ich freue mich genauso, wenn jemand einen persönlichen Fortschritt erzielt, eine schwierige Strecke meistert oder nach einem Rückschlag wieder stärker zurückkommt.
Das ist für mich der eigentliche Wert unserer Teamarbeit.

MOTOCROSS MAGAZIN: Nach Platz drei 2025 und dem Meistertitel 2026 stellt sich natürlich die Frage: Wollt ihr 2027 den Titel verteidigen?
Mario Müller: (lacht) Genau das ist wieder so eine typische Frage!
Natürlich wäre es schön, wenn wir auch 2027 vorne mitfahren. Aber wir werden unsere Philosophie deswegen nicht verändern.
Wir werden nicht anfangen, Fahrer ausschließlich nach Meisterschaftspunkten auszuwählen oder alles einer Teamwertung unterzuordnen.
Für uns zählt, dass die Fahrer motiviert sind, an sich arbeiten und wirklich Lust auf diesen Sport haben.

Wir wollen gemeinsam trainieren, Erfahrungen austauschen, uns gegenseitig unterstützen und sportlich weiterkommen.
Wenn daraus wieder eine erfolgreiche Teamwertung entsteht, freuen wir uns natürlich.
Aber es wird niemals das wichtigste Ziel sein.
MOTOCROSS MAGAZIN: Abschließend: Was möchtest du deinen Fahrern nach diesem Erfolg mit auf den Weg geben?
Mario Müller: Zunächst einmal ein großes Dankeschön an alle acht Fahrer und ihre Familien.
Jeder Einzelne hat seinen Teil zu dieser Meisterschaft beigetragen. Ganz unabhängig davon, ob er am Ende Erster, Vierter, Sechster oder Elfter in seiner Klasse geworden ist.

Ich wünsche mir, dass die Jungs diesen Erfolg genießen, aber gleichzeitig weiter hungrig bleiben.
Motocross bedeutet Leidenschaft, Disziplin, Rückschläge und harte Arbeit.
Wer wirklich etwas erreichen möchte, muss bereit sein, immer wieder an seine Grenzen zu gehen und an sich zu arbeiten.
Und wenn ich unseren Fahrern eine Sache mitgeben kann, dann diese:
„Vergleicht euch nicht ständig mit anderen. Schaut darauf, wo ihr gestern gestanden habt und wo ihr morgen stehen wollt. Arbeitet an euch, bleibt ehrgeizig und verliert niemals den Spaß am Motocross.“
Denn am Ende zählt nicht nur, welchen Pokal man nach Hause bringt, sondern auch, was man auf dem Weg dorthin gelernt hat.
Und eines kann ich jetzt schon sagen: Wir haben richtig Bock auf 2027!
Saisonbilanz 2026: das 123MX Racing Team im VFM Niedersachsen-Cup
Das 123MX Racing Team gewinnt die Teamwertung des VFM Niedersachsen-Cups 2026 mit 25.099 Punkten vor dem Crown MX Team (23.987 Punkte) und TI MX Racing (19.231 Punkte).
Die acht Fahrer des Meisterteams:
| Fahrer | Klasse | Ergebnis |
|---|---|---|
| Moritz Wahlers | Schüler B | Meister |
| Mika Skrotzki | Schüler A | Meister |
| Mio Müller | MX2-125 | Meister |
| Max Luca Skrotzki | Schüler B | Platz 3 |
| Nando Wundrach | Jugend | Platz 4 |
| Emil Siedler | Schüler A | Platz 4 |
| Marlon Wundrach | MX2-125 | Platz 6 |
| Tom Goltz | Schüler B | Platz 11 |
123MX Racing Team: vom dritten Platz 2025 zum Meistertitel 2026.
Fotos: 123MX Racing Team, GMDPodcast & Prof. Dr. Pape

