Volle Lehrgänge, keine schweren Verletzungen und die ersten größeren Erfolge in den Landesmeisterschaften: Für Dirk Pohl war 2026 eine richtig gute Saison. Ein Thema lässt ihn trotzdem nicht los. Was bringt ein Motocross Rennteam jungen Fahrerinnen und Fahrern eigentlich wirklich? Dirk hat uns seine Saisonbilanz geschickt, und die hat es in sich. MOTOCROSS-MAGAZIN LOKAL!
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Die Saison 2026: ausgebucht und unfallfrei
Dirk kümmert sich um die Jugendförderung beim MCC Wildeshausen und beim MSC Nordmark Kiel. Dazu kommen Trainings für Senioren und Veteranen. Sein Fazit fällt deutlich aus: hochzufrieden.
Mehrere Fahrerinnen und Fahrer, die Dirk seit einigen Jahren begleitet, haben 2026 ihre ersten größeren Erfolge in Landesmeisterschaften eingefahren. Im Nordcup der Frauen standen Platzierungen unter den besten fünf, im Jugend-Endurocup reichte die Spanne vom ersten bis zum zehnten Platz.
Die Nachfrage war wie in den Vorjahren hoch. Die Lehrgänge waren durchweg ausgebucht, manche sogar sehr kurzfristig. Auf der Strecke standen immer gemischte Gruppen, vom jungen Einsteiger bis zum ambitionierten, fortgeschrittenen Fahrer. Bei den Senioren sah es genauso aus.
Das Wichtigste zum Schluss: Die ganze Saison lief ohne schwere Verletzungen. Dafür gab es viele Fortschritte zu sehen, etwa beim Umstieg von der 85er auf die 125er oder auf ein Viertaktmotorrad. Das ging bei einigen schneller als erwartet.
Es hat unwahrscheinlich Spaß gemacht, wieder mit den ganzen Teilnehmern aus den verschiedenen Vereinen zusammenzuarbeiten. Dirk Pohl

Tiefsand trifft Mischboden: Die Kooperation der Vereine wächst
Die Zusammenarbeit zwischen dem MCC Wildeshausen und dem MSC Nordmark Kiel, über die wir schon 2024 berichtet haben, geht weiter. Beide Vorstände stehen dahinter. Der Gewinn für die Fahrer liegt im Wechsel der Untergründe: Wildeshausen ist eine Tiefsandstrecke, beim MSC Nordmark wird auf steinigem Mischboden gefahren. Wer beides trainiert, lernt mehr.
Eine Sorge bleibt Dirk aber auch hier. Er beobachtet seit Jahren, dass nur eine Handvoll Leute einen Verein am Leben hält und ihn voranbringen will.
Leider gibt es ganz viele Konsumenten in einem Verein, die zu vorbereiteten Strecken und vorbereiteten Trainings kommen und dann immer noch was zum Nörgeln haben, selber aber nicht bereit sind, mal mit Hand anzulegen. Und das ist in den Jahren leider auch nicht weniger geworden. Dirk Pohl
Sein Nachtrag dazu passt in einen Satz: „Jugendarbeit ist das imaginäre Rückgrat eines jeden Vereins.“

Was bringt ein Motocross Rennteam wirklich?
Damit sind wir bei dem Punkt, der Dirk am meisten beschäftigt. Rennteams und selbst gegründete Teams werben in den Vereinen gezielt um junge Fahrer. Teilweise stellen sie den Vereinen bekannte Fahrer zur Verfügung, die dort Trainings geben sollen.
Grundsätzlich hält Dirk das für eine gute Idee. Er fragt sich aber, wie diese Unterstützung in der Praxis aussieht. Haben die eingesetzten Trainer eine Trainerlizenz? Wie steht es um Versicherung und Absicherung? Und welchen Vorteil hat ein junger Fahrer konkret, wenn er in ein Rennteam aufgenommen wird?
Ist es das bedruckte Jersey oder Aufkleber oder ein Dekor auf dem Bike, was teilweise vielleicht sogar noch selbst bezahlt werden muss? Dirk Pohl
Für Dirk ist die Linie klar: Die Förderung, die Weiterentwicklung und die Ausbildung der Fahrer müssen im Mittelpunkt stehen, nicht das Geld.
Die finanziellen Aspekte dürfen dort nicht im Vordergrund stehen, sondern wirklich der Hintergrund der Förderung, der Weiterentwicklung und der Ausbildung der Fahrer. Das darf nie vergessen werden. Dirk Pohl
Statt einem Teamtrikot hinterherzulaufen, sollten junge Fahrer, Einsteiger und Ambitionierte seiner Meinung nach lieber fachgerechte Schulungen und Einzeltrainings bekommen. Trainer wie Collin Dugmore gehören dafür aus seiner Sicht viel stärker in den Vordergrund.
Was Dirk antreibt, sind die Fahrer, die alles in ihren Sport stecken:
Für mich persönlich ist es viel schöner und viel angenehmer, den Trainingsteilnehmer zu trainieren, der sein letztes Geld in einen vernünftigen Hinterreifen gesteckt hat oder in intakte Griffgummis am Lenker. Dirk Pohl
„Ich kann mir den Erfolg nicht kaufen“
Dirk sieht, dass sich die Einstellung verändert hat. In den 90ern war bei vielen der Wille größer als das Können. Heute sei die Bereitschaft, sich zu quälen, hart zu trainieren und sich weiterzuentwickeln, bei einigen Jugendlichen deutlich geringer. Es gibt Eltern, die ihren Kindern den Sport mit großem Einsatz ermöglichen, und es gibt Eltern mit mehr finanziellem Spielraum. Am Ende gilt für Dirk aber immer dasselbe: Das Material folgt dem Können, nicht umgekehrt.
Ich kann mir den Erfolg nicht kaufen, den muss ich mir erarbeiten. Dirk Pohl
Seine Botschaft an junge Fahrer ist deshalb eine Warnung: Verliert euch nicht im Traum vom großen Rennteam, wenn er euch am Ende weder Vorteil noch Nutzen bringt. Die Vereine sieht er in der Pflicht, ihre eigenen Fahrer aufzuklären und auch zu schützen. Sein Vorschlag: Geld in lizenzierte Trainer und ausgebildetes Personal stecken, damit die Jugendarbeit in die richtige Richtung läuft und das Wichtigste nicht verloren geht. Der Sport.
Trainings müssen neu aufgestellt werden
Dirk geht noch einen Schritt weiter. Seiner Meinung nach müssen Trainings künftig neu aufgebaut und strukturiert werden, mit nachgewiesener Qualifikation der Trainer. Dann steige die Qualität der Lehrgänge deutlich, die Ziele könnten höher gesteckt werden und es kämen die Erfolge, die der deutsche Motocross-Sport für seine Zukunft dringend braucht.
Ein Blick auf die aktuellen Platzierungen stimmt ihn nachdenklich. Die Deutsche Meisterschaft habe im Vergleich zu früher stark an Bedeutung verloren. Und wenn nach Verletzungen kurzfristig das Team für das Motocross der Nationen gestellt werden muss, werde es für den Kader schnell eng. Für Dirk ist das kein Grund zum Jammern, sondern ein Auftrag: Das lässt sich optimieren, zum Wohl aller und des Sports.

Lehrgänge sind mehr als Fahrtechnik
Wie groß der Bedarf an Wissen neben der Strecke ist, zeigt ein Gespräch aus dieser Saison. Ein junger Fahrer möchte im kommenden Jahr beim Rennen in Le Touquet starten und sprach Dirk an, weil der dort selbst schon gefahren ist. Seine Fragen:
- Wie bereite ich mich vor?
- Welche Informationen braucht mein Händler, damit das Motorrad richtig aufgebaut wird?
- Welche Reifen nehme ich, und wie wird bedüst, wenn es ein Vergasermodell ist?
- Welche Kosten kommen auf mich zu?
- Wie läuft die Veranstaltung insgesamt ab?
Für Dirk ist das ein typisches Beispiel. Bei Lehrgängen geht es nicht nur ums Fahren. Es geht um Know-how, darum, Fehlerquellen zu minimieren und so gut wie möglich auf die Ziele vorbereitet zu sein, die sich jeder Fahrer selbst gesetzt hat.
Neues Fahrwerk für die KX450
Auch auf dem eigenen Motorrad hat sich 2026 etwas getan. Dirk konnte Komponenten von WP Pro Components mit Cone-Valve-Gabel testen. Möglich gemacht hat das Marcus Schneider von Schneider Racing Suspension aus Neumünster. Gemeinsam haben die beiden ein Setup für Dirks Kawasaki KX450 abgestimmt, das ihn begeistert: ein völlig anderes Fahrgefühl, sehr stabil und nach seinen Worten das beste Fahrwerk, das er je hatte.

Und noch jemand hat sich weiterentwickelt: Dirks Frau Susan, die er schon vor einigen Jahren zum Motocross gebracht hat, ist inzwischen eine gute Fahrerin geworden und hat in diesem Jahr auch ihre ersten Erfahrungen auf Elektro-Motorrädern gesammelt.
Und 2027?
Wie Dirks Saison 2027 genau aussieht, steht noch nicht fest. Sobald es Neuigkeiten gibt, lest Ihr sie hier.

Danke für 2026
Dirk bedankt sich bei allen, die ihn in dieser Saison unterstützt haben:
- Sven Kiedrowski und Kiedrowski Motorsports
- Heiko Plenter (HP-Sportmotorräder), Marcus Kehr und Sherco Deutschland
- Wolfgang Oetke von Oetke Motorradsport, für Dirk „Mr. Kawasaki himself“
- Marcus Schneider von Schneider Racing Suspension
- dem MCC Wildeshausen rund um Lutz Opitz und Frank Dahlenberg
- dem MSC Nordmark Kiel mit Jan Freese und René Morgenstern
- seiner Frau Susan, die das alles mitmacht

Eure Meinung ist gefragt
Dirk spricht aus, was viele an den Strecken denken. Wie seht Ihr das?
- Hat Euch ein Rennteam weitergebracht, oder war es am Ende vor allem ein bedrucktes Jersey?
- Sollten Vereine für die Jugendarbeit nur noch lizenzierte Trainer einsetzen?
- Wie bekommt Ihr in Eurem Verein mehr Leute dazu, mit anzupacken?
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Mehr über Dirk lest Ihr in unserem Porträt „Was macht eigentlich Dirk Pohl?“, über die Trainingslehrgänge beim MCC Wildeshausen und MSC Nordmark und in seinem Blick auf den Enduro-Nachwuchs Tyge Wolfgramm.
Fotos: Dirk Pohl
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