Enduro-EM-Finale Woltersdorf: Wer holt die Titel?
Beim 48. Novemberpokal des MC Woltersdorf am 31. Oktober und 1. November fallen alle Enduro-Europameister-Titel 2026. Luca Fischeder hat in der Overall-Wertung und in der E3 die besten Aussichten.
Zum Finale der Enduro-Europameisterschaft 2026 reisen die Fahrer am 31. Oktober und 1. November an den östlichen Stadtrand von Berlin, wo der MC Woltersdorf seinen 48. Novemberpokal ausrichtet. Drei Veranstaltungen mit jeweils zwei Fahrtagen liegen bereits hinter der Serie, doch in sämtlichen Klassen und Wertungen ist noch kein Titelträger ermittelt.
Den Auftakt machte Ende April das ungarische Tamasi. Im Juni folgte Piediluco in Italien, im September La Torre d´Orista in Spanien.
Europameister werden in neun Solo-Klassen und einer Team-Wertung gekürt. Gefahren wird in Youth U21, Junior 1, Junior 2, E1, E2, E3, Senior 40, der neuen Klasse Senior 50 sowie bei den Women. Darüber steht die Overall-Wertung, die alle Solo-Klassen zusammenfasst und als die prestigeträchtigste gilt.
An jedem Fahrtag erhalten die Gesamt- und Klassensieger 20 EM-Punkte, der Zweite bekommt 17, der Dritte 15. Das geht hinunter bis zum 15. Platz, für den noch ein Punkt vergeben wird.
Die Overall-Wertung als Krönung
Der Deutsche Luca Fischeder aus Geringswalde in Sachsen kann in diesem Jahr gleich zwei EM-Titel gewinnen. Der 27-Jährige, mehrfacher Deutscher Meister und zuletzt 2026 erneut in der E3 erfolgreich, führt sowohl in der Klasse der hubraumstärksten Motorräder als auch in der Overall-Wertung. Mit 107 Punkten liegt er 20 Zähler vor dem Italiener Lorenzo Macoritto. Läuft das Rennen entsprechend, kann er schon am Samstag den Overall-Titel und den in der E3 sichern.

Auf Gesamtrang drei folgt der Ungar Roland Liszka mit 86 Punkten, dahinter der Italiener Davide Soreca mit 77. Alle drei Verfolger Fischeders brauchen für den Titel in der Hauptkategorie Hilfe von außen.

Die Lage in den Hubraumklassen
In der E3 hat Fischeder sämtliche Tagessiege geholt und liegt trotzdem nur 20 Punkte vor dem konstanten Zweiten Riccardo Fabris, ebenfalls aus Italien. Der Pole Gabriel Chetnicki hat bei 32 Punkten Rückstand nur theoretische Chancen, dafür müsste viel Außergewöhnliches passieren.
In der E1, der kleinsten Hubraumklasse, kämpfen die bereits genannten Lorenzo Macoritto und Davide Soreca um den Titel. Macoritto hat fünf von sechs Klassensiegen eingefahren und damit die deutlich besseren Karten. Bei noch 40 zu vergebenden Punkten liegt er zwölf Zähler vorn.

Die E2 als „Mittelklasse“ führt der Brite Daniel Mundell an, der 2024 beim letzten EM-Auftritt in Woltersdorf Overall- und E2-Europameister wurde. Der Schwede Franz Löfquist, aus der Internationalen Deutschen Enduro Meisterschaft (DEM) bekannt, liegt auf Rang zwei und muss 21 Punkte aufholen.
Spannung bei den Nachwuchsfahrern
In der Junior 1 liegen der Italiener Nico Guastini (103 Punkte) und Roland Liszka (100), der auch in der Gesamtwertung weit vorn steht, fast gleichauf. Der Slowene Gal Hauptman liegt 13 Punkte hinter Guastini beziehungsweise zehn hinter Liszka und darf sich nicht ganz unbegründet Hoffnungen machen.
In der Junior 2 führt der Tscheche Matyas Chlum, in Deutschland als E2-Meister der DEM 2026 bestens bekannt, mit 16 Punkten vor dem Italiener Nicolo Paolucci. Weitere acht Zähler dahinter folgt der Schwede Edvin Wiberg, der also ebenfalls noch hoffen darf.

Nahezu entschieden ist die Youth U21: Der Franzose Leo Lavesvre hat 33 Punkte Vorsprung auf den Italiener Davide Cabass.
Die Senioren: Erfahrung trifft Tempo
Die Senioren sind dieses Jahr in zwei Klassen aufgeteilt. In der Senior 40 liegen der Pole Dawid Hankus und Nico Rambow aus Panketal mit jeweils 111 Punkten gleichauf. Der Österreicher Hans-Peter Musil hat 25 Punkte Rückstand auf das Spitzenduo und nur noch Außenseiterchancen.

Die neue Senior 50 ist eher schwach besetzt. Der Tscheche Martin Gottvald hat bisher alle Rennen gewonnen und führt mit dem Punktemaximum von 120. Der Pole Waldemar Krolikowsi liegt 38 Punkte zurück, für eine Wende müsste schon sehr viel geschehen.
Women und Teams
Auch die Schwedin Matilda Ahlström hat als Spitzenreiterin der Women Class ein recht beruhigendes Polster. Malene Seljeseth aus Norwegen, Stephanie Bianchi aus Italien und Natalia Bucova aus der Slowakei liegen 13, 25 beziehungsweise 31 Punkte zurück und haben noch halbwegs realistische oder zumindest theoretische Titelchancen.
In der Team-Wertung fällt die Entscheidung zwischen dem italienischen Osellini MOTO TEAM (111 Punkte), dem ebenfalls italienischen Team DILIGENTI TNT (103) und dem Team ENDURO GERMANY (94).
Jeremy Sydow als Top-Favorit
Ohne taktische Rechenspiele kann der Chemnitzer Jeremy Sydow antreten, der als Top-Favorit auf den Novemberpokal 2026 anreist. Der frühere Motocross-WM-Fahrer wechselte mitten in der Saison 2022 ins Enduro-Lager und ist inzwischen der beste Deutsche Enduro-Fahrer. Der Triumph-Werkspilot wurde in diesem Jahr trotz eines Verletzungsausfalls zu Saisonbeginn unter anderem mit neun Podestplätzen WM-Vierter in der E1 und holte zudem den Titel in der DEM, in der er auch E1-Meister ist.

Beim EM-Finale 2022 in Woltersdorf gelang ihm als Gesamtzweiter des ersten Fahrtages ein starker Einstand, am zweiten Tag schied er mit einem technischen Defekt aus. Bei der Ausgabe vor zwei Jahren dominierte er das Feld förmlich. Nach dem Hard-Enduro-Jahr 2025 in Woltersdorf bzw. Rüdersdorf kommt er quasi als Titelverteidiger des Novemberpokals zum Saison-Showdown.
Weitere Informationen gibt es unter www.enduro-mcwoltersdorf.de.
Fotos: © Thorsten Horn / www.enduroeuropean.com
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